
Duomo di Santa Margherita in Tarquinia: Geschichte und Kunst
Das weltliche und geistliche Zentrum Tarquinias
Der Duomo di Santa Margherita liegt an der Piazza del Duomo mitten im ummauerten historischen Kern von Tarquinia, das früher unter dem Namen Corneto bekannt war. Er dient zugleich als Pfarrkirche und als Konkathedrale des Bistums Civitavecchia-Tarquinia. Das Gotteshaus trägt den offiziellen Namen Concattedrale dei Santi Margherita e Martino und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Stadt- und Verwaltungsgeschichte des Ortes.
Die um 1260 gegründete Kirche stieg am 5. Dezember 1435 zum geistlichen Mittelpunkt auf, als Papst Eugen IV. sie zur Kathedrale erhob. Mit diesem Schritt verlagerte sich der Bischofssitz weg von der alten Festungsmauer rund um die Basilika Santa Maria in Castello und verankerte die geistliche Führung direkt im bürgerlichen Zentrum, nahe dem Palast der einflussreichen Familie Vitelleschi.
Die Vitelleschi und der architektonische Wandel
Unter Bischof Bartolomeo Vitelleschi veränderte sich das Gesicht der Kathedrale um 1450 grundlegend: Er drehte die ursprüngliche Ost-West-Achse kurzerhand in eine Nord-Süd-Ausrichtung, schuf ein neues Südportal und stiftete eine Familienkapelle im nördlichen Presbyterium. Zwischen 1508 und 1509 beauftragte Vitelleschi den Künstler Antonio del Massaro da Viterbo, genannt Il Pastura, mit der Ausführung großflächiger Fresken an Wänden und Gewölbe der Apsis.
Geweiht ist die Kathedrale neben dem heiligen Martin der Märtyrerin Margareta von Antiochia. Der christlichen Überlieferung nach fand sie um 290 n. Chr. in Pisidien den Märtyrertod, nachdem sie zuvor Satan bezwungen hatte, der ihr in Gestalt eines Drachen erschienen war.
Der Brand von 1643 und der Wiederaufbau im 19. Jahrhundert
In der Nacht vom 7. auf den 8. August 1643 wütete ein verheerendes Feuer im Gotteshaus und legte das mittelalterliche und von der Renaissance geprägte Langhaus in Schutt und Asche. Wie durch ein Wunder blieben die polygonale Chorapsis mit den Fresken von Il Pastura aus dem frühen 16. Jahrhundert, der Hochaltar und die Cappella del Salvatore völlig unbeschadet.
Nach Jahrzehnten des Verfalls erweckte ein groß angelegter Wiederaufbau das Gebäude im 19. Jahrhundert zu neuem Leben. Teils durch den Verkauf städtischer Ländereien, teils durch freiwillige Arbeitseinsätze finanziert, entstand das Projekt nach Plänen der Architekten Francesco Dasti und Pietro Magnani unter der beratenden Aufsicht des vatikanischen Chefarchitekten Virginio Vespignani. Die um 1874 fertiggestellte, dreischiffige klassizistische Kirche weihte Bischof Francesco Gandolfi 1879 feierlich ein. Am 30. September 1986 erhielt die Kathedrale schließlich den offiziellen Rang einer Konkathedrale, nachdem die Diözesen durch das päpstliche Dekret Instantibus votis zusammengelegt worden waren.
Höhepunkte in Architektur und Kunst
Von außen empfängt dich eine helle, tempelartige klassizistische Fassade, zu der eine breite Freitreppe hinaufführt. Flankiert wird sie auf der linken Seite von einem stattlichen Glockenturm direkt an der Piazza del Duomo. Das obere Geschoss der Fassade ziert ein zweibogiges Biforium, eingerahmt von Statuen der beiden Kirchenpatrone Margareta und Martin.
Im Inneren bildet das monumentale, tonnengewölbte klassizistische Mittelschiff einen faszinierenden Kontrast zur erhaltenen gotischen Polygonapsis aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Im Chor leuchten die Fresken von Il Pastura in tiefen Gold- und Lapislazulitönen. Sie zeigen Szenen aus dem Marienleben, die Marienkrönung sowie Propheten und Sibyllen. Zudem beherbergt die Kathedrale eine historische Pfeifenorgel in einem hölzernen Serliana-Prospekt, 1879 erbaut von den Brüdern Angelo und Nicola Morettini.
Praktische Hinweise
Die Kathedrale ist eine aktive römisch-katholische Pfarrkirche (Parrocchia dei Santi Margherita e Martino). Der Eintritt ist frei. Beachte jedoch, dass die Kirche in den frühen Nachmittagsstunden zur Mittagspause meist geschlossen bleibt.
FAQ
Wie lautet der offizielle Name des Duomo di Santa Margherita?
Der offizielle Name der Kirche lautet Concattedrale dei Santi Margherita e Martino.
Welche Teile der Kirche haben den Brand von 1643 überstanden?
Das Presbyterium, der Hochaltar, die Cappella del Salvatore und die polygonale Chorapsis mit den Fresken von Il Pastura aus dem frühen 16. Jahrhundert überstanden das Feuer völlig unbeschadet.
Wer malte die Fresken in der Apsis der Kathedrale?
Die Fresken wurden zwischen 1508 und 1509 von Antonio del Massaro da Viterbo, bekannt als Il Pastura, im Auftrag von Bischof Bartolomeo Vitelleschi gemalt.
Wann wurde die Kirche zur Kathedrale erhoben?
Papst Eugen IV. erhob die Kirche am 5. Dezember 1435 zur Kathedrale und löste damit die ältere Basilika Santa Maria in Castello als Bischofssitz ab.




