
Archäologisches Museum Tarquinia: Palazzo Vitelleschi
Architektur und Geschichte des Palazzo Vitelleschi
An der Piazza Cavour, wo der Corso Vittorio Emanuele einmündet, markiert der Palazzo Vitelleschi das östliche Haupttor zur ummauerten Altstadt von Tarquinia (historisch bekannt als Corneto). Erbaut wurde der wehrhafte Palast zwischen 1436 und 1439 im Auftrag von Kardinal Giovanni Vitelleschi, einem kriegerischen Kirchenfürsten und gebürtigen Bürger Cornetos, der für Papst Eugen IV. Aufstände in Rom niedergeschlagen hatte. Der Entwurf bezog bereits bestehende mittelalterliche Wohnhäuser ein und schuf einen architektonischen Übergang von der italienischen Spätgotik zur frühen Renaissance. Vitelleschi ließ die Residenz errichten, um seinen Einfluss zu demonstrieren, nachdem er dem Ort 1435 den Status eines Bischofssitzes verschafft hatte. Seine Glanzzeit im Palast währte jedoch nur kurz: Schon 1440 endete sie mit seiner Verhaftung und seinem Tod in der römischen Engelsburg.
Nach Vitelleschis Tod diente der Palast als päpstliche Zwischenstation und Rückzugsort, ehe er an die Florentiner Familie Soderini überging. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude als Herberge und Hotel verpachtet. Im Jahr 1900 erwarb die Gemeinde Corneto das Anwesen und trat es 1916 an den italienischen Staat ab, um darin ein eigenes Museum einzurichten. Bei seiner Eröffnung 1924 vereinte es städtische Ausgrabungsfunde mit der Privatsammlung der Grafen Bruschi-Falgari aus dem 19. Jahrhundert. Heute beherbergt das Gebäude das Museo Archeologico Nazionale di Tarquinia und untersteht dem autonomen Parco Archeologico di Cerveteri e Tarquinia (PACT), einem Zweig des italienischen Kulturministeriums. Im Obergeschoss sind bis heute die Privatkapelle des Kardinals sowie sein freskierter Studiolo mit Malereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten.
Etruskische Sammlungen auf drei Etagen
Das Museum bewahrt archäologische Zeugnisse der etruskischen Zivilisation vom 9. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr., die in der antiken Siedlung Tarchna und der benachbarten Nekropole Monterozzi geborgen wurden. Als überdachtes Pendant zur Freiluft-Nekropole schützt es die empfindlichen Grabbeigaben, Architekturelemente und Malereien, die in der gesamten Gegend entdeckt wurden.
Im Erdgeschoss erwartet dich eine umfangreiche Sammlung monumentaler Steinsarkophage, darunter Stücke der einflussreichen Familie Partunu wie der Sarkophag des Magistrats und jener des Laris Partunu. Das erste Stockwerk zeigt eine chronologische Reise durch die Keramik, von der Villanova- und orientalisierenden Zeit bis hin zu klassischen etruskischen Gefäßen und griechischen Importen. Zu den Höhepunkten der attischen Keramikkunst gehört hier eine Trinkschale (Kylix) aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., meisterhaft gefertigt von Oltos und Euxitheos.
Das Relief der geflügelten Pferde
Im obersten Stockwerk wartet das unbestrittene Glanzstück des Hauses: das Terrakotta-Hochrelief der Geflügelten Pferde (Cavalli Alati) aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Ursprünglich schmückte es als Bauschmuck das Giebelfeld des Tempels Ara della Regina auf dem Plateau der Civita, bevor es in den 1930er-Jahren bei Grabungen unter Pietro Romanelli geborgen wurde. Das Werk war in rund 100 Fragmente zerbrochen, ehe Restauratoren es wieder zusammenfügten. In der oberen Galerie ausgestellt, zeigt die Skulptur noch heute sichtbare Restaurierungsnähte, antike Brennrisse und erhaltene Reste ockerfarbener und rotbrauner Bemalung auf den hervortretenden Muskeln der Pferde.
Gerettete Wandmalereien aus Monterozzi
Neben Terrakotten und Goldschmuck präsentiert das Obergeschoss abgelöste originale Grabmalereien. In den 1950er- und 1960er-Jahren trennten Restauratoren die Wandbilder direkt von den Felswänden der unterirdischen Gräber in Monterozzi ab, darunter auch die berühmten Fresken aus dem Grab des Trikliniums. Dieser Schritt rettete die Wandbilder vor dem unumkehrbaren Verfall durch Feuchtigkeitsschwankungen und das Mikroklima der Felskammern. So können diese antiken etruskischen Meisterwerke dauerhaft in einem klimatisierten Raum für die Nachwelt bewahrt werden.
FAQ
Wo befindet sich das Archäologische Nationalmuseum von Tarquinia?
Das Museum befindet sich im Palazzo Vitelleschi an der Piazza Cavour, genau am östlichen Eingang zur ummauerten Altstadt von Tarquinia, wo der Platz auf den Corso Vittorio Emanuele trifft.
Welche Architekturstile finden sich im Palazzo Vitelleschi?
Der zwischen 1436 und 1439 erbaute Palazzo Vitelleschi vereint italienische Spätgotik und frühe Renaissance zu einem architektonischen Übergangsstil, der ältere mittelalterliche Wohnhäuser in seinen wehrhaften Bau integriert.
Welche Geschichte steckt hinter dem Relief der geflügelten Pferde?
Das Terrakottarelief aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. schmückte ursprünglich den Tempel Ara della Regina. Archäologen entdeckten es in den 1930er-Jahren auf dem Civita-Plateau in rund 100 Einzelteilen, bevor es für die Ausstellung wieder zusammengesetzt wurde.
Warum wurden die Grabfresken ins Museum verlegt?
In den 1950er- und 1960er-Jahren löste man Original-Wandmalereien wie jene aus dem Grab des Trikliniums von den unterirdischen Grabwänden ab, um sie vor dem Verfall durch Feuchtigkeit und Mikroklimaschwankungen zu schützen.




