Palazzo Comunale in Tarquinia: Geschichte und Architektur - Tarquinia
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Palazzo Comunale in Tarquinia: Geschichte und Architektur

Tarquinia, Italy

Mitten an der Piazza Giacomo Matteotti schlägt das weltliche Herz von Tarquinia: Der Palazzo Comunale ist bis heute der Sitz der Stadtverwaltung. Direkt gegenüber dem monumentalen Brunnen von 1724 setzt das Gebäude einen selbstbewussten bürgerlichen Kontrapunkt zu den mächtigen Sakralbauten des Ortes, allen voran dem Dom und Santa Maria in Castello. Errichtet direkt auf der Trasse der früheren Stadtmauer aus dem 11. und 12. Jahrhundert, markiert das Bauwerk ganz greifbar den Übergang vom alten befestigten Kern zu den späteren mittelalterlichen Stadterweiterungen.

Mittelalterliche Ursprünge und Wiederaufbau

Die Wurzeln des Palastes reichen ins 13. Jahrhundert zurück: Größere Baumaßnahmen sind um 1260 dokumentiert, als das mittelalterliche Corneto, wie Tarquinia damals hieß, über seine alten Grenzen hinauswuchs. Ein verheerender Brand legte 1476 weite Teile des Komplexes in Schutt und Asche und leitete eine lange Phase des Umbaus ein. 1510 beauftragte die päpstliche Verwaltung keinen Geringeren als Stararchitekt Donato Bramante mit den Plänen für den Wiederaufbau. Seine direkte Bauleitung endete allerdings, noch bevor wesentliche Teile davon in die Tat umgesetzt werden konnten.

Im 16. Jahrhundert gaben weitere Bauphasen den Westflügeln des Palastes eine neue Gestalt: Sie veränderten den Turm und schufen die markante Silhouette, die bis heute die Piazza Giacomo Matteotti prägt. Auch im Inneren blieb über die Jahrhunderte kaum etwas unverändert. So wurde etwa ein Flügel in ein Stadttheater verwandelt, das vom 17. Jahrhundert bis in die 1940er-Jahre bespielt wurde.

Architektur und das städtische Richtmaß

Das Ensemble verbindet romanische und gotische Formen, wie sie für die Region um Viterbo typisch sind. Beim Außenmauerwerk trifft lokaler, poröser Macco-Kalkstein mit seiner warmen gelblichen Tönung auf dunklen vulkanischen Peperino, der Fenster, Portale und Übergänge akzentuiert.

Das Äußere wird von markanten architektonischen Elementen geprägt:

  • Der Stadtturm: Ein quadratischer Turm (torre civica), dessen wehrhafter Kern bis ins 10. und 11. Jahrhundert zurückreicht.
  • Die Außenloggia: Eine hochgelegene Loggia über einem weiten Rundbogen, versehen mit einer Inschrift aus dem Jahr 1366.
  • Die Fußgängerunterführung: Ein niedriger, steingewölbter Durchgang unter dem Palast, der die Piazza Matteotti auf direktem Weg mit der Via di San Pancrazio verbindet.
  • Das Richtmaß der Händler: Direkt in die Steinfassade ist ein historischer, geeichter Eisenstab eingelassen. Er diente einst als verbindliches Rechtsmaß, um Streitigkeiten auf dem Marktplatz kurzerhand zu schlichten.

Historische Säle und Kunstsammlungen

Im Inneren birgt der Palast bedeutende Freskenzyklen und lebendige Versammlungsorte. Der ehemalige Ratssaal, die Sala degli Affreschi, wurde zwischen 1629 und 1636 von Maler Camillo Donati und weiteren Künstlern prachtvoll ausgemalt. Die Wandbilder erzählen von einem mythischen Stammbaum der Stadt, der Cornetos Gründung auf den sagenhaften König Corythus zurückführt, flankiert von Romulus und Remus. Zudem halten die Fresken historische Meilensteine fest, etwa das Dekret des römischen Senats von 1436, das den Bewohnern der Stadt das römische Bürgerrecht verlieh.

Der heutige Ratssaal (Sala Consiliare) entstand in den 1960er-Jahren in den Räumen des früheren Stadttheaters. Unter dem offenen Holzdachstuhl des Saals begegnest du drei monumentalen Pastellarbeiten unter dem Gesamttitel Perché le vittime vincano. Sie wurden 1974 vom chilenischen Surrealisten Roberto Sebastián Matta geschaffen, der in der Gegend lebte und arbeitete, und der Stadt 1975 gestiftet, ein eindrucksvoller moderner Dialog mit dem historischen Erbe des Hauses.

Heutige Rolle im Stadtleben

Bis heute ist der Palazzo Comunale das lebendige Verwaltungszentrum der Gemeinde Tarquinia und beherbergt das Büro des Bürgermeisters sowie die städtischen Ämter. In der Sala Consiliare tagt regelmäßig der Stadtrat von Tarquinia, und der Raum bildet die Kulisse für standesamtliche Trauungen, Fachtagungen, Bürgerversammlungen sowie alljährliche Kulturveranstaltungen wie die Verleihung des Premio Cardarelli.

FAQ

Wozu dient der Eisenstab in der Fassade?

Der geeichte Eisenstab diente als offizielles, rechtlich verbindliches Längenmaß für Markthändler, um Streitigkeiten beim Handel direkt vor Ort zu klären.

Welche Geschichten erzählen die Fresken in der Sala degli Affreschi?

Die zwischen 1629 und 1636 von Camillo Donati und weiteren Künstlern geschaffenen Fresken zeigen Tarquinias Gründungsmythos rund um König Corythus und erinnern an das Dekret von 1436, das den Bewohnern das römische Bürgerrecht verlieh.

Wurde der Palazzo Comunale von Donato Bramante entworfen?

Die päpstliche Verwaltung beauftragte Donato Bramante 1510 nach dem Brand von 1476 mit Plänen für den Wiederaufbau, doch seine direkte Mitwirkung endete, bevor größere Arbeiten unter seiner Leitung umgesetzt werden konnten.

Welche moderne Kunst ist im Ratssaal zu sehen?

In der Sala Consiliare hängen drei monumentale Pastellwerke mit dem Titel „Perché le vittime vincano“, die der chilenische Surrealist Roberto Sebastián Matta 1974 schuf und der Stadt 1975 stiftete.

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