
Griechentor (Bieb il-Griegi): Mdinas historisches Portal
Der Arbeitereingang von Mdina
Das Griechentor (maltesisch: Bieb il-Griegi, italienisch: Porta dei Greci) ist der zweite historische Zugang zur Festungsstadt Mdina. Während das monumentale Haupttor für prunkvolles Hofgefolge und den Adel reserviert war, diente das Griechentor als funktionaler Eingang für den Alltag. Durch dieses Portal kamen Tagelöhner, Fuhrleute und die täglichen Lieferungen aus dem Umland und dem benachbarten Rabat in die Stadt.
Unter der Herrschaft des Johanniterordens unterlag das Tor einer strengen sozialen Ordnung. Die Vorschriften bestimmten das Griechentor zum einzigen Durchgang, durch den versklavte Menschen die befestigte Stadt überhaupt betreten durften.
Mittelalterliche Festungsmauern und barocke Ingenieurskunst
Während fast die gesamte mittelalterliche Bausubstanz Mdinas nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 im Barockstil neu errichtet wurde, ist das Griechentor der einzige sichtbare Überrest des ursprünglichen Torsystems. Die Anlage besteht aus einem zweigeteilten Durchgang, der zwei völlig verschiedene Epochen der Festungsbaukunst vereint: Im Inneren hat ein mittelalterlicher Spitzbogen aus dem 12. bis 13. Jahrhundert überdauert, während das äußere Portal 1724 vom französischen Militäringenieur Charles François de Mondion unter Großmeister António Manoel de Vilhena neu gestaltet wurde.
Statt die älteren mittelalterlichen Wehranlagen abzureißen, band Mondion sie geschickt in die bastionierte Festungsfront des 18. Jahrhunderts ein. Der ursprüngliche, D-förmige Wehrturm und die Kurtine wurden kurzerhand vollständig mit massiven Kalksteinmauern ummantelt. Mondion schmückte die Außenwand mit Wappen und einer lateinischen Inschrift, ließ den mittelalterlichen Weg im Inneren jedoch unberührt. Unter der Torschwelle verbirgt sich bis heute eine unterirdische Kammer mit der Mechanik der einstigen hölzernen Wippbrücke, die den Graben überspannte.
Altes Mauerwerk und historische Gewölbemalereien
Wer das Tor durchschreitet, wechselt vom offenen Festungsgraben in einen niedrigen, schattigen Gang unter einem Tonnengewölbe. In den unteren Mauerschichten treffen verwitterte, unregelmäßige Quadersteine des Mittelalters und wiederverwendete römische Spolien auf die ebenmäßigen Kalksteinfugen von Mondions barockem Gewölbe.
Im oberen Gewölbegang haben sich religiöse Kunstwerke erhalten. Dazu zählen eine frühneuzeitliche Darstellung von Maria und dem Kind mit der heiligen Anna und der Dreifaltigkeit sowie ein spätmanieristisches Gemälde, das die Taufe des Statthalters Publius durch den Apostel Paulus im Beisein des Evangelisten Lukas zeigt. Einer alten Legende nach knüpfen diese Wandbilder an den Brauch an, Fremde am Stadttor mit geteiltem Brot willkommen zu heißen.
Ursprünge und Erhalt
Seinen Namen verdankt das Tor einer griechischen Händlergemeinde, die sich einst vor den Mauern der Stadt niederließ. Historische Quellen bringen sie häufig mit Geflüchteten von der Insel Rhodos in Verbindung, die dem Johanniterorden nach dessen Vertreibung im Jahr 1522 nach Malta folgten. Archivdokumente weisen das Tor zudem als den Zugang aus, der dem historischen jüdischen Viertel Mdinas am nächsten lag.
Heute steht das Griechentor als Nationaldenkmal der höchsten Schutzstufe unter Denkmalschutz und ist im Nationalen Inventar der Kulturgüter der maltesischen Inseln (NICPMI 01460) verzeichnet. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten im Jahr 2016 blieben die originalen Holztore, das gewölbte Mauerwerk und die Deckenmalereien an Ort und Stelle erhalten. Heute bildet das Tor einen ruhigen Fußweg zwischen dem Festungsgraben und der Piazza dei Greci.
FAQ
Warum heißt das Portal eigentlich Griechentor?
Der Name geht auf eine griechische Händlergemeinde zurück, die sich vor dem Tor ansiedelte. Oft wird sie mit Geflüchteten von Rhodos verknüpft, die sich den Johannitern anschlossen, als diese 1522 von der Insel vertrieben wurden. Frühe Aufzeichnungen belegen zudem, dass dieses Tor der kürzeste Zugang zum mittelalterlichen jüdischen Viertel war.
Wie unterschied sich das Griechentor in seiner Funktion vom Haupttor Mdinas?
Während das repräsentative Haupttor dem Adel und offiziellen Staatsgästen vorbehalten war, diente das Griechentor als alltäglicher Arbeitseingang für Tagelöhner, Fuhrleute und Waren. Unter den Johannitern war es zudem das einzige Tor, durch das versklavte Arbeitskräfte Mdina betreten durften.
Welche Architekturstile lassen sich am Griechentor entdecken?
Das Bauwerk verbindet zwei Epochen: Im Inneren befindet sich ein mittelalterlicher Spitzbogen aus dem 12. bis 13. Jahrhundert, während das äußere Portal 1724 vom französischen Militäringenieur Charles François de Mondion im Barockstil errichtet wurde. Im Mauerwerk treffen wiederverwendete römische Steinblöcke im Sockelbereich auf das barocke Kalksteingewölbe des 18. Jahrhunderts.




