
Palazz ta' Santa Sofia: Mdinas ältestes Haus
Mdinas ältestes Wohnhaus
Direkt an der Triq Villegaignon, gegenüber der St.-Pauls-Kathedrale, steht der Palazz ta' Santa Sofia. Er gilt als Mdinas ältestes erhaltenes, datierbares Wohnhaus und zählt zu den ältesten Bauwerken auf ganz Malta. Während weite Teile des Stadtbilds nach dem verheerenden sizilianischen Erdbeben von 1693 im Barockstil neu errichtet wurden, hat dieser Bau überlebt. Ein rares Relikt aus Mdinas mittelalterlicher Zeit vor Ankunft des Johanniterordens.
Wann das Ganze begann, ist direkt im Mauerwerk verewigt: Eine eingemeißelte Inschrift am Fenstersims im Erdgeschoss datiert die Anfänge unmissverständlich auf das Jahr 1233.
Ein architektonischer Zeitsprung von 700 Jahren
Auch wenn der Palazz ta' Santa Sofia zur Straße hin wie aus einem Guss wirkt, klafft hier eine zeitliche Lücke von über sieben Jahrhunderten. Das zweistöckige Anwesen ist ein architektonischer Hybrid: Das Erdgeschoss stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist im sizilianisch-normannischen Stil gehalten, das Obergeschoss kam erst 1938 oder kurz danach dazu.
Dieser Anbau aus dem 20. Jahrhundert entstand im neugotischen Stil, um sich optisch an das Erdgeschoss anzupassen. Dafür wählte man Biforien (zweiteilige Sprossenfenster) und ein dekoratives Dachgesims, angelehnt an spätmittelalterliche maltesische Stadthäuser wie den Palazzo Falson.
Ein horizontales Zierband trennt die beiden Epochen unübersehbar voneinander. Dieses zweistufige Gesims mit palline losanghe (Kugel- und Rautenreliefs) orientiert sich an mittelalterlicher sizilianischer Baukunst, namentlich am Palazzo Montalto in Syrakus. Unterhalb dieser Trennlinie besteht das Mauerwerk aus schwerem, verwittertem und schmucklosem, goldgelbem Globigerinenkalk. Darüber wirkt der Stein aus dem 20. Jahrhundert deutlich scharfkantiger und neuer. Zudem zieren gemeißelte Wappen der Familie Santa Sofia die Fassade.
Vom befestigten Stadthaus zur Klosterschule
Erbaut zu einer Zeit, als Malta unter den Staufern zum Königreich Sizilien gehörte, begann die Geschichte des Palazzos als einstöckiges, wehrhaftes Stadthaus um einen Innenhof. Der Zugang erfolgte ursprünglich über einen gewölbten, überdachten sizilianisch-arabischen Torgang, eine sogenannte siqifah. Im Lauf der Jahrhunderte ging dieser Durchgang im öffentlichen Straßennetz auf und entwickelte sich schließlich zu der schmalen Gasse, die heute als Triq Santa Sofia bekannt ist.
Über die Epochen hinweg übernahm das Gebäude die unterschiedlichsten Rollen. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert diente es als Klosterschule katholischer Nonnen, bevor die Aufstockung Mitte des 20. Jahrhunderts ihm seine heutige Gestalt verlieh.
Denkmalstatus und Erhalt
Heute steht der Palazz ta' Santa Sofia als Nationaldenkmal des Grads 1 unter Schutz und ist im Nationalen Inventar der Kulturgüter der maltesischen Inseln gelistet. Er befindet sich in Privatbesitz, wird von der Kulturstiftung Fondazzjoni Patrimonju Malti betreut und ist kein reguläres Museum für den spontanen Besuch. Die Innenräume öffnen ihre Türen lediglich für Fachvorträge, private Anlässe und ausgewählte Kulturveranstaltungen. Von außen betrachtet bleibt die Fassade jedoch eine feste historische Station auf dem Spaziergang vom Stadttor Mdinas zum Bastion Square.
FAQ
Was macht den Palazz ta' Santa Sofia historisch so bedeutend?
Er ist Mdinas ältestes erhaltenes und datierbares Wohnhaus sowie eines der ältesten Gebäude ganz Maltas, belegt durch ein originales Fenstersims im Erdgeschoss mit der eingemeißelten Jahreszahl 1233.
Wurde der Palazz ta' Santa Sofia komplett im Mittelalter erbaut?
Nein. Während das Erdgeschoss aus dem Jahr 1233 stammt, wurde das Obergeschoss erst um 1938 im neugotischen Stil aufgesetzt, passend zum mittelalterlichen Erdgeschoss. Zwischen beiden Stockwerken liegen über 700 Jahre Baugeschichte.
Kann man das Innere des Palazz ta' Santa Sofia besichtigen?
Der Palazzo ist kein reguläres Museum für den spontanen Besuch. Verwaltet von der Fondazzjoni Patrimonju Malti, öffnet er seine Räume vor allem für private Anlässe, Vorträge und ausgewählte Kulturveranstaltungen.




