Kathedrale St. Paul in Mdina: Geschichte und Architektur - Mdina
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Kathedrale St. Paul in Mdina: Geschichte und Architektur

Mdina, Malta

Die Metropolitankathedrale St. Paul bildet das monumentale Herzstück der Festungsstadt Mdina. Sie ist Mutterkirche und Bischofssitz des römisch-katholischen Erzbistums Malta, ein Rang, den sie sich gleichberechtigt mit der St. John's Co-Cathedral in Valletta teilt, und steht als Denkmal höchsten Ranges unter Schutz. Zwischen 1696 und 1702 nach Plänen des gefeierten maltesischen Architekten Lorenzo Gafà errichtet, gilt sie als absoluter Höhepunkt des maltesischen Barocks.

Ursprünge und Wiederaufbau nach dem Erdbeben

Der kirchlichen Überlieferung nach steht die Kathedrale genau dort, wo der römische Statthalter Publius den Apostel Paulus im Jahr 60 nach Christus nach dessen Schiffbruch auf der Insel willkommen hieß. Jahrhundertelang erhob sich hier eine mittelalterliche, sizilianisch-normannische Kathedrale. Bis im Januar 1693 ein verheerendes Regionalbeben Mdinas Wehrmauern aufriss und das Hauptschiff mitsamt den Glockentürmen zum Einsturz brachte.

Ein Glücksfall: Der barocke Chor samt Sakristei, den Lorenzo Gafà erst zwischen 1679 und 1682 angefügt hatte, überstand das Desaster unbeschadet. Gafà band die geretteten Teile kurzerhand in seinen umfassenden Neubauplan ein. Um die monumentalen Ausmaße der neuen Fassade gebührend in Szene zu setzen, mussten mittelalterliche Wohnhäuser und enge Gassen weichen, so entstand der heutige St. Paul's Square. Mitten an der Villegaignon Street zwischen Mdinas Haupttor und der Aussichtsbastion gelegen, markierte dieser weitläufige Platz den Wandel der Stadt von einer wehrhaften Festung zum repräsentativen Bischofssitz.

Architektonische Finessen und Kuriositäten am Glockenturm

Die Fassade leuchtet im warmen Ton des einheimischen Globigerinen-Kalksteins, gekrönt von einer tiefrot gestrichenen, achteckigen Barockkuppel auf einem mit kunstvollen Steinvoluten verzierten Tambour. Zwei viereckige Glockentürme rahmen die Front ein. Auf ihren Spitzen thronen steinerne Skulpturen aus Schlangen und Flammen, eine bildstarke Referenz an die biblische Erzählung, nach der Paulus den Biss einer giftigen Natter unversehrt überlebte.

Besonders kurios sind die zwei Zifferblätter an den Türmen, um die sich bis heute eine hartnäckige Legende rankt: Angeblich sollten die unterschiedlichen Uhren den Teufel verwirren, damit er die heilige Messe nicht stört. Die nüchterne Wahrheit sieht anders aus: Das rechte Zifferblatt gehört zu einer ganz normalen Uhr, die jede Viertelstunde schlägt, während das linke schlicht Tag und Monat anzeigt.

Gerettete Schätze im Kircheninneren

Im Kircheninneren haben erstaunlich viele Schätze aus der Zeit vor dem Beben überdauert, die damals sorgsam geborgen und wieder eingesetzt wurden. Allen voran Mattia Pretis Apsisgemälde Die Bekehrung des Heiligen Paulus, dazu spätmittelalterliches Chorgestühl aus Holz, eine toskanische Madonna aus dem 15. Jahrhundert und ein Taufbecken aus derselben Zeit.

Der Boden des Hauptschiffs ist ein spektakuläres Panorama aus bunten, eingelegten Marmorgrabplatten. Unter diesen kunstvollen Platten ruhen Geistliche und Adlige, verewigt in detailreichen Wappen, geflügelten Sanduhren und morbiden Skelettmotiven.

Praktische Hinweise für deinen Besuch

Die Kathedrale St. Paul ist keine reine Museumskulisse, sondern bis heute eine lebendige katholische Pfarrkirche mit täglichen Messen, Beichtgelegenheiten und großen Festen wie der Feier zur Bekehrung des Heiligen Paulus im Januar oder dem Peter-und-Paul-Fest im Juni.

Für Besucher ist die Kathedrale montags bis samstags geöffnet, am Sonntagnachmittag gelten eingeschränkte Zeiten. Ein Kombiticket gewährt dir gleichzeitig Einlass in das benachbarte Kathedralmuseum. Achte beim Besuch auf angemessene Kleidung: Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Fotografieren mit Blitz ist im Inneren tabu, und Pfennigabsätze sind strengstens verboten, um den empfindlichen Intarsienboden aus Marmor zu schonen.

FAQ

Warum zeigen die Zifferblätter an den Kathedraltürmen unterschiedliche Zeiten?

Laut lokaler Legende sollten die unterschiedlichen Zeiten den Teufel verwirren, damit er die Gottesdienste nicht stört. In Wahrheit ist das rechte Zifferblatt eine funktionierende Uhr, die alle 15 Minuten schlägt, während das linke schlicht Tag und Monat anzeigt.

Warum sind Pfennigabsätze in der Kathedrale St. Paul verboten?

Die Kathedrale verbietet Pfennigabsätze, um die kunstvollen, mehrfarbigen Marmorgrabplatten im Mittelschiff vor Abnutzung und Rissen zu schützen.

Haben Teile der früheren Kathedrale das Erdbeben von 1693 überstanden?

Ja. Der barocke Chor und die Sakristei, die Lorenzo Gafà zwischen 1679 und 1682 fertiggestellt hatte, überstanden die Katastrophe und wurden in den Neubau integriert. Zu den weiteren geretteten Kunstschätzen gehören Mattia Pretis Apsisgemälde der Bekehrung des Heiligen Paulus, spätmittelalterliches Chorgestühl, eine toskanische Madonna aus dem 15. Jahrhundert und ein Taufbecken aus derselben Zeit.

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