
Kirche Mariä Namen: Novi Sads neugotisches Wahrzeichen
Mit ihrem 72 Meter hohen Turm beherrscht sie den Freiheitsplatz, und für die Einheimischen ist Novi Sads bekanntestes Wahrzeichen schlicht „die Kathedrale“, auch wenn sie technisch gesehen gar keine ist. Die Kirche Mariä Namen (serbisch: Crkva imena Marijinog) bildet den optischen Anker der Innenstadt und ist zugleich ein ausdrucksstarkes Symbol für die katholische Minderheit der Vojvodina.
Neugotische Architektur und Gestaltung
Mit knapp 52,5 Metern Länge und 21,7 Metern Breite ist die dreischiffige Basilika das höchste Gotteshaus in Novi Sad und der gesamten Region Bačka. Der einheimische Architekt György Molnár entwarf den Bau 1892 vollkommen unentgeltlich. Ein architektonischer Glücksfall: Molnár zeichnete auch für das Rathaus im Neurenaissance-Stil verantwortlich, das der Kirche auf der anderen Seite des Freiheitsplatzes direkt gegenübersteht. Im Inneren erinnert heute eine Büste an das Werk des Architekten.
Ein echter Blickfang ist das Dach mit seinen bunt gemusterten Zsolnay-Keramikziegeln im Rautendesign. Diese glasierten Ziegel aus dem ungarischen Pécs sorgen für ein lebendiges Farbenspiel, wenn das Sonnenlicht über das Gebäude wandert. Im Inneren erwarten dich hohe Gewölbedecken, ein Hauptaltar aus Tiroler Holzschnitzkunst und aufwendige Glasfenster aus Budapester Werkstätten, die biblische Szenen, Heilige und lokale Wappen zeigen.
Eine Geschichte von Widerstandskraft und Wiederaufbau
Das heutige Bauwerk ist bereits die dritte katholische Kirche an dieser Stelle seit der Pfarreigründung im Jahr 1702. Die ursprüngliche Kirche von 1719 wurde um 1742 zerstört. Ihr Nachfolger hielt über ein Jahrhundert stand, bis im Ungarischen Unabhängigkeitskrieg von 1848/1849 heftiger Beschuss den Glockenturm ruinierte. Nachdem sich erste Reparaturen als unzureichend erwiesen hatten, ließ der Stadtrat das beschädigte Gebäude 1891 schließlich abreißen.
Der erste Spatenstich für den heutigen Bau erfolgte im Oktober 1892. Ende 1893 stand das Hauptgebäude, und im Oktober 1894 war auch der stolze 72 Meter hohe Glockenturm fertiggestellt. Ein Dachstuhlbrand im Jahr 1904 führte schließlich zu einer Neueindeckung, bei der das charakteristische Muster aus Zsolnay-Fliesen entstand, das wir heute bewundern.
Die Pfarrei und die Katolička Porta
Trotz ihrer monumentalen Ausmaße und des im Volksmund gebräuchlichen Spitznamens „Kathedrale“ (Katedrala) dient das Gebäude ausschließlich als aktive römisch-katholische Pfarrkirche. Der eigentliche Sitz des Bischofs liegt etwa 100 Kilometer entfernt in Subotica. Unter dem Dach der Diözese Subotica finden in der Kirche bis heute regelmäßig Messen und Gottesdienste statt.
Im Innenraum befindet sich außerdem eine mechanische Pfeifenorgel mit 24 Registern, gebaut 1899 von den Gebrüdern Rieger. Dieses Instrument füllt bei Orgelkonzerten und Aufführungen klassischer sakraler Musik regelmäßig das hohe Gewölbe mit Klang. Direkt hinter der Kirche erstreckt sich die Katolička Porta (Katholisches Tor), ein Innenhof mit einem frühklassizistischen Pfarrhaus von 1808, das einst auf einem ehemaligen Friedhofsgelände errichtet wurde. Die Kirche steht Besuchern täglich offen, vorausgesetzt, die Kleidung ist angemessen und bedeckt Schultern sowie Knie.
FAQ
Ist die Kirche Mariä Namen eine Kathedrale?
Nein. Trotz ihres lokalen Spitznamens „die Kathedrale“ ist sie eine aktive römisch-katholische Pfarrkirche. Der regionale Bischofssitz befindet sich rund 100 Kilometer entfernt in Subotica.
Wann wurde die Kirche Mariä Namen erbaut?
Das heutige neugotische Bauwerk wurde zwischen 1892 und 1894 errichtet. Es ersetzte eine frühere Kirche, die während der Ungarischen Revolution von 1848/1849 schwer beschädigt worden war.
Kann man die Kirche Mariä Namen besichtigen?
Ja, die Kirche ist täglich für Besucher geöffnet. Für den Einlass wird angemessene Kleidung benötigt, die Schultern und Knie bedeckt.
Was ist der Hof hinter der Kirche?
Der Hof direkt hinter der Kirche ist als Katolička Porta (Katholisches Tor) bekannt. Hier befindet sich ein frühklassizistisches Pfarrhaus von 1808, das auf einem ehemaligen Friedhofsgelände errichtet wurde.



