
Menrat-Palast: Sezessionsarchitektur in Novi Sad
Einst ein prächtiges Möbelkaufhaus, das den Planierraupen der 1960er-Jahre nur knapp entkam: Heute ist der Menrat-Palast einer der prägendsten Blickfänge in der Fußgängerzone von Novi Sad.
Ein Meisterwerk der Ungarischen Sezession
In der Straße Kralja Aleksandra 14 steht mit dem Menrat-Palast ein spektakuläres Beispiel für die österreichisch-ungarische Sezessionsarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Entworfen von dem renommierten Budapester Architekten Lipót Baumhorn, aus dessen Feder auch die Synagoge von Novi Sad stammt, wurde das Gebäude 1908 fertiggestellt.
Die Straßenfassade ist eine echte Schauseite für Jugendstilelemente mit Wiener Einschlag. Sie steckt voller erhabener Details: Putzmasken, pflanzliche Reliefmotive, geometrische Friese und Mäandermuster. Drei symmetrisch hervortretende Erker prägen das Äußere, wobei die beiden seitlichen Erker in den oberen Etagen Balkone mit dunklen schmiedeeisernen Gittern besitzen. Eine zentrale Bogeneinfahrt führt in einen Innenhof, der mit aufwendigen Stukkateurarbeiten begeistert.
Spannendes Detail am Rande: Der Grundriss des Gebäudes wurde in Form des kyrillischen Buchstabens „Ш“ angelegt. Das Palais besitzt zwei gleich lange Hofflügel an den Seiten sowie einen kürzeren mittleren Trakt für das Treppenhaus.
Vom Möbelimperium zum Kulturdenkmal
Ursprünglich stand hier eine Möbelwerkstatt, die Lorenz Menrath in den 1840er-Jahren gegründet hatte. Als ein Brand Anfang des 20. Jahrhunderts das einstöckige Gebäude beschädigte, kaufte sein Sohn József Menrath ein Nachbargrundstück von Wilhelm Weiss dazu, um ein deutlich grandioseres Anwesen zu errichten. Bis 1910 beherbergte das Erdgeschoss das Möbelhaus „Menrat L. i sin“, während sich in den oberen Etagen zehn Luxuswohnungen befanden. Zu den ersten Bewohnern gehörten Prominente wie der Maler Vasa Jagazović und der Anwalt Milan Sekulić.
Im Novi Sad des frühen 20. Jahrhunderts war das Gebäude ein so bekannter Orientierungspunkt, dass man sich im Ort ganz selbstverständlich „beim Menrat-Palast“ verabredete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Palais verstaatlicht. Hof und Räume wurden für Druckmaschinen umgestaltet und beherbergten schließlich die Redaktionsräume der Tageszeitung Magyar Szó.
Überlebenskünstler der Moderne
Bei einer großen Umgestaltung des Stadtbilds in den 1960er-Jahren entging der Menrat-Palast nur knapp dem Abriss. Als der Bulevar Mihajla Pupina mitten durch das Stadtzentrum geschlagen wurde, stand das Gebäude eigentlich auf der Abschussliste. Glücklicherweise rettete sein außergewöhnlicher architektonischer Wert das Bauwerk vor den Planierraupen.
Diese dramatische Rettung verwandelte das Gebäude schlagartig von einem gewöhnlichen Reihenhaus mitten im Block in ein markantes Kopfgebäude, das die Straße optisch abschließt. Heute steht das geschützte Kulturdenkmal am Ende der Fußgängerzone, direkt gegenüber dem Straßenbahn-Café „Trčika“. Nach einer umfassenden Restaurierung zwischen 2003 und 2007 dient das historische Wahrzeichen bis heute als vielseitig genutztes Gebäude, das Geschäfte im Erdgeschoss mit Wohnungen und Büros in den oberen Etagen verbindet.
FAQ
Wo befindet sich der Menrat-Palast?
Der Menrat-Palast befindet sich in der Straße Kralja Aleksandra 14 in der Altstadt von Novi Sad, direkt gegenüber dem Straßenbahn-Café „Trčika“.
Wer hat den Menrat-Palast entworfen?
Das Gebäude wurde vom Budapester Architekten Lipót Baumhorn im Stil der Ungarischen Sezession entworfen. Er ist auch für den Entwurf der Synagoge von Novi Sad bekannt.
Warum sollte der Palast fast abgerissen werden?
In den 1960er-Jahren wurde im Rahmen einer großen Stadtumgestaltung der Bulevar Mihajla Pupina durch das Stadtzentrum gezogen. Der Menrat-Palast war für den Abriss vorgesehen, wurde aber aufgrund seines außergewöhnlichen architektonischen Werts verschont.



