Kathedrale von Tarragona: Geschichte und Architektur - Tarragona
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Kathedrale von Tarragona: Geschichte und Architektur

Tarragona, Spain

Bestaune die mächtige romanisch-gotische Fassade und die grandiose Rosette der Kathedrale von Tarragona, die vom Pla de la Seu aus den höchsten Punkt der Altstadt beherrscht. Offiziell trägt sie den klangvollen Namen Primatial- und Metropolitankathedrale der Heiligen Thekla, und dieser wuchtige Komplex krönt das historische Altstadtviertel Part Alta. 1905 zum Nationaldenkmal erklärt, schlägt sie die Brücke von der Spätromanik zur Frühgotik und zeugt von Jahrhunderten geistlicher wie weltlicher Macht.

Ein heiliger Gipfel im Wandel der Kulturen

Der Boden unter deinen Füßen ist seit der Römerzeit ununterbrochen heilig: Die Kathedrale thront direkt auf jener erhöhten Terrasse, die einst den heiligen Bezirk samt Augustus-Tempel im Provinzforum des römischen Tarraco trug. Später folgten auf derselben Anhöhe eine westgotische christliche Basilika und im 10. Jahrhundert eine maurische Moschee.

Der christliche Bau begann Ende des 12. Jahrhunderts unter Erzbischof Bernat Tort und den Augustiner-Chorherren. Zunächst setzte man auf wehrhaften, massiven romanischen Stein mit dicken Außenmauern und Rundapsiden. Im 13. und 14. Jahrhundert hielten dann gotische Neuerungen Einzug: spitzbogige Rippengewölbe, reich verzierte Seitenkapellen und eine kühne, steil nach oben strebende Architektur.

Die unvollendete Fassade und die Rosette

Vom weiten Pla de la Seu führen breite Steinstufen hinauf zum Eingang. Das monumentale gotische Portal aus dem 14. Jahrhundert zeigt detailreiche Reliefs von Propheten und Aposteln, flankiert von zwei älteren romanischen Pforten. Darüber öffnet sich eine elf Meter große Rosette, eine der gewaltigsten in ganz Katalonien. Sie taucht das schattige, weitläufige dreischiffige Innere in ein ständig wechselndes Farbenspiel.

Über der Rosette bricht der gotische Giebel abrupt in einer geraden, kahlen Steinlinie ab. Die Kathedrale wurde 1331 geweiht, obwohl sie noch unvollendet war, doch mit dem Ausbruch der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts kam der Bau endgültig zum Stillstand. Der Schwarze Tod raffte die Handwerker der Region dahin und leerte die Kassen, sodass der obere Giebel mitten im Bauprozess für immer erstarrte.

Kurioses im Kreuzgang und römisches Erbe

Der Komplex reicht weit über das 100 Meter lange Langhaus in Form eines lateinischen Kreuzes und den 51 Meter hohen Glockenturm hinaus: Er umfasst auch einen weitläufigen romanischen Kreuzgang. Teile davon ruhen direkt auf römischen Mauern aus dem 1. Jahrhundert, Überreste des einstigen Augustus-Tempels, in denen antike Inschriften bis heute im Mauerwerk lesbar sind.

Unter den kunstvoll gemeißelten Kapitellen der Arkaden sticht die berühmte „Rattenprozession“ (Processió de les rates) hervor. Dieses mittelalterliche Relief erzählt eine skurrile Fabel: Eine Schar Ratten trägt eine scheinbar tote Katze auf einer Bahre zu Grabe, bis die Katze plötzlich erwacht und über ihre Träger herfällt.

Kunstschätze und heutiger Besuch

Im Altarraum beherrscht ein Alabaster-Retabel aus dem 15. Jahrhundert von Bildhauer Pere Johan die Szenerie. Seine filigranen Relieftafeln schildern Leben und Martyrium der heiligen Thekla, Tarragonas Schutzpatronin. Außerdem birgt die Kathedrale eine Renaissance-Orgel aus dem 16. Jahrhundert mit gewaltigen bemalten Flügeltüren aus Leinwand (sargas), geschaffen von Pietro Paolo da Montalbergo und Pere Serafí. Mehr als ein Jahrhundert lang, nachdem das Kloster Poblet 1835 aufgegeben worden war, ruhten hier sogar die Gebeine von König Jakob I. von Aragón, bevor sie 1952 nach Poblet zurückkehrten.

Heute ist die Kathedrale nach wie vor der aktive Sitz des Erzbistums Tarragona mit täglichen Gottesdiensten und steht das ganze Jahr über für Besichtigungen offen. Der Eintritt umfasst das Hauptschiff, den romanischen Kreuzgang, das Diözesanmuseum von Tarragona, die Ausgrabungen des römischen Tempels sowie die Gärten von Santa Tecla la Vella.

FAQ

Warum ist die Hauptfassade der Kathedrale von Tarragona unvollendet?

Obwohl die Kathedrale 1331 geweiht wurde, entzog der Schwarze Tod Mitte des 14. Jahrhunderts dem Projekt sowohl die Handwerker als auch das Geld. So blieb der obere Giebel abrupt abgeflacht und unvollendet.

Welche historischen Bauten standen vor der Kathedrale an diesem Ort?

Die Kathedrale steht am höchsten Punkt des antiken Tarraco, direkt über dem Augustus-Tempel des römischen Provinzforums. Später folgten an dieser Stelle eine westgotische Basilika und im 10. Jahrhundert eine maurische Moschee, bevor der mittelalterliche christliche Bau begann.

Was hat es mit der Rattenprozession im Kreuzgang auf sich?

Die „Rattenprozession“ ist ein berühmtes romanisches Kapitell im Kreuzgang, das eine mittelalterliche Fabel darstellt: Eine Schar Ratten trägt eine scheinbar tote Katze auf einer Bahre, bis die Katze plötzlich erwacht und sich auf die Nager stürzt.

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