Römisches Amphitheater von Tarragona: Geschichte und Guide - Tarragona
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Römisches Amphitheater von Tarragona: Geschichte und Guide

Tarragona, Spain

Direkt an einem steilen Hang über dem Mittelmeer thront das Römische Amphitheater von Tarragona (Amfiteatre de Tarraco), einer der spektakulärsten Schauplätze für antikes Vergnügen im gesamten römischen Hispanien. Erbaut um die Wende zum 2. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Trajan oder Hadrian, bot der elliptische Prachtbau Platz für 14.000 bis 15.000 Schaulustige. Heute gehört er fest zum Archäologischen Ensemble von Tarraco und zählt zum UNESCO-Welterbe.

Baukunst und Logistik mit Meerblick

Das Amphitheater entstand am Hang vor den Toren der historischen Stadtmauern, genau dort, wo sich an der Via Augusta zuvor eine Nekropole aus augusteischer Zeit befunden hatte. Mit Maßen von rund 109,5 mal 86,5 Metern verlangte das steil zum Strand El Miracle abfallende Gelände den Erbauern eine clevere architektonische Lösung ab: Die nördlichen Sitzränge (cavea) meißelten die römischen Ingenieure kurzerhand direkt aus dem Fels des Hügels, während sie die südlichen Ränge zur Meerseite hin auf gewölbten Arkaden aus römischem Beton (opus caementicium) errichteten.

Die Lage direkt an der Küste bot handfeste logistische Vorzüge. Exotische Raubtiere, die für die Hetzjagden (venationes) übers Mittelmeer herbeigeschafft wurden, ließen sich direkt von den Schiffen in die Zwinger der Arena verfrachten. Den Bürgern blieb damit erspart, dass gefährliche Bestien durch die Gassen der Stadt getrieben werden mussten.

Imperiale Spektakel und die längste lateinische Inschrift

Die Arena war für Gladiatorenkämpfe (munera), Tierhetzen und öffentliche Hinrichtungen konzipiert. Tarraco war eine der seltenen Provinzhauptstädte im römischen Hispanien, die sich die komplette Dreifaltigkeit antiker Unterhaltung leistete: ein Theater, einen Zirkus für Wagenrennen und ein Amphitheater.

Im Jahr 221 n. Chr., unter der Herrschaft von Kaiser Elagabal, verpasste man dem Bau eine gründliche Renovierung. Daran erinnert eine monumentale lateinische Inschrift, eingemeißelt in 52 Steinblöcke entlang der 140 Meter langen Podiumsmauer rund um den Arenaboden. Dieser Text gilt als die längste erhaltene römisch-lateinische Inschrift auf der gesamten Iberischen Halbinsel.

Christliches Märtyrertum und mittelalterliche Schichten

Während der Christenverfolgungen unter Kaiser Valerian wurde Tarracos Arena zum Schauplatz frühen Märtyrertums. Am 21. Januar 259 n. Chr. wurden hier Bischof Fructuosus und seine Diakone Augurius und Eulogius auf dem Arenaboden bei lebendigem Leib verbrannt.

Als die Gladiatorenspiele im 5. Jahrhundert ihr Ende fanden, widmete man das Areal um und schuf einen Ort des Gedenkens. Im 6. Jahrhundert entstanden mitten in der Arena eine dreischiffige westgotische Basilika und ein Friedhof. Im 12. Jahrhundert folgte die romanische Kirche Santa Maria del Miracle, direkt auf den westgotischen Fundamenten errichtet und aus Steinblöcken gebaut, die man kurzerhand aus dem römischen Amphitheater herausgebrochen hatte. Der kreuzförmige Grundriss dieser mittelalterlichen Kirche prägt bis heute das Zentrum der Arena.

Vom Zuchthaus zur Wiederentdeckung

1576 zog zunächst ein Trinitarierkloster ein, bevor der spanische Staat das Gelände 1780 in ein Zuchthaus verwandelte. Die Häftlinge mussten die antiken Ruinen als Steinbruch nutzen, um Baumaterial für den Hafen von Tarragona zu liefern. Bis 1908 blieb das Gefängnis in Betrieb und sorgte dafür, dass das antike Bauwerk fast völlig unter späteren Schichten begraben wurde.

Erst 1948 wendete sich das Blatt, als der US-amerikanische Mäzen William J. Bryant umfangreiche Ausgrabungen finanzierte. Die Arbeiten stoppten die moderne Überbauung, legten die westgotische Basilika frei und brachten den gesamten Grundriss der römischen Arena wieder ans Licht.

Die Ausgrabungsstätte heute

Heute wird das Amphitheater vom Museu d’Història de Tarragona betreut und liegt als Freilichtdenkmal direkt unterhalb des Balcó del Mediterrani, gleich neben dem römischen Zirkus. Auf erhöhten Rundwegen kannst du den Blick über die steinerne Arena und die markanten kreuzförmigen Reste von Santa Maria del Miracle schweifen lassen, immer mit dem Mittelmeer als herrlicher Kulisse. Zudem dient die Arena als Hauptbühne für historische Reenactments während der Tarraco Viva, Tarragonas alljährlichem Römerfestival.

FAQ

Warum steht eine Kirchenruine mitten im römischen Amphitheater?

Die romanische Kirche Santa Maria del Miracle aus dem 12. Jahrhundert wurde mitten in der Arena auf den Fundamenten einer westgotischen Basilika aus dem 6. Jahrhundert errichtet. Beide Gotteshäuser sollten an Bischof Fructuosus und seine Diakone erinnern, die im Jahr 259 n. Chr. genau an dieser Stelle bei lebendigem Leib verbrannt wurden.

Welchen praktischen Nutzen hatte die Lage an der Küste?

Weil die Arena direkt am Ufer vor den Toren der Stadt lag, konnten Schiffe mit exotischen Wildtieren ihre Fracht direkt in die Zwinger des Amphitheaters entladen. So musste keine gefährliche Bestie durch die Straßen von Tarraco getrieben werden.

Welche bedeutende Inschrift ist vor Ort erhalten?

Eine 140 Meter lange lateinische Inschrift, gemeißelt in 52 Steinblöcke, ziert die Podiumsmauer der Arena. Sie erinnert an Umbauten unter Kaiser Elagabal im Jahr 221 n. Chr. und ist die längste erhaltene römisch-lateinische Inschrift auf der gesamten Iberischen Halbinsel.

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