
Passeig Arqueològic: Tarragonas römische Mauern
Die Festungsmauern des antiken Tarraco
Der Passeig Arqueològic markiert die nördliche Verteidigungslinie des antiken Tarraco in Tarragonas Part Alta. Seit dem Jahr 2000 Teil des UNESCO-Welterbes, bewahrt dieser begrünte Korridor rund 1.100 Meter des ursprünglichen römischen Mauerrings, der sich einst über 3.500 bis 4.500 Meter hinab zum Meer zog.
Römische Truppen unter Gnaeus Cornelius Scipio schlugen hier 218 v. Chr. während des Zweiten Punischen Krieges ihr Lager auf. Zwischen 217 und 197 v. Chr. wuchsen die ersten Steinbefestigungen in zyklopischem Opus siliceum empor: eine Mauer von vier Metern Breite und sechs Metern Höhe. Zwischen 150 und 125 v. Chr. stockte die Römische Republik das Bollwerk mit akkurat behauenen Quadersteinen auf dem Zyklopenfundament auf, bis die Mauer stolze zwölf Meter hoch und sechs Meter dick war. Der Kontrast springt bis heute ins Auge: unten die wuchtigen, grob behauenen Kalksteinblöcke, darüber das fein gefugte Bossenwerk.
Wehrarchitektur im Wandel der Jahrhunderte
Immer wieder passte man die Festung an neue Kriegstaktiken an. Im 14. Jahrhundert, unter der Krone von Aragonien, stockte man den aus römischer Zeit stammenden Erzbischofsturm auf rund 25 Meter auf. Jahrhunderte später, während des Spanischen Erbfolgekriegs um 1709, kamen zickzackförmige Außenwälle und Artilleriebastionen wie das Fortí Negre hinzu, um der modernen Feuerkraft der Kanonen standzuhalten. Genau in der Schneise zwischen der ursprünglichen römischen Kurtine und diesen Bastionen des 18. Jahrhunderts flaniert man heute.
Aus der militärischen Sperrzone wurde 1932 ein Ort des Müßiggangs. Der Stadtplaner und Generaldirektor der Schönen Künste, Ricardo de Orueta, ließ das Areal in eine begrünte Promenade verwandeln. Heute säumen Zypressen, Olivenbäume, Lorbeer und schattige Beete den Weg. Hinter den schützenden Steinwällen herrscht friedliche Stille, während sich von den erhöhten Aussichtspunkten der Blick weit über die Landschaft des Camp de Tarragona und das Mittelmeer öffnet.
Standhafte Türme und historische Spuren
Drei römische Türme säumen die Promenade bis heute: der Torre del Cabiscol, der Erzbischofsturm und der Minervaturm (auch Sant Magí genannt). An der Ostseite des Minervaturms prangt das in Stein gemeißelte Relief der Göttin Minerva, flankiert von der Inschrift eines oberitalienischen Legionärs. Diese Gravuren sind nichts Geringeres als das älteste erhaltene römische Relief und die früheste lateinische Inschrift auf der Iberischen Halbinsel.
Auch sonst steckt die Mauer voller historischer Details. Auf den Steinquadern aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. finden sich Steinmetzzeichen in iberischer Schrift, die beweisen, dass die einheimische Bevölkerung beim Bau der römischen Wehranlagen mit anpackte. Dazwischen setzen klassische Skulpturen Akzente im Grünen: eine bronzene Kapitolinische Wölfin, die Romulus und Remus säugt, und eine Replik des Augustus von Primaporta. Die Augustus-Statue war 1934 ein Geschenk der Regierung Benito Mussolinis. Während des Spanischen Bürgerkriegs wurde sie vorsorglich versteckt, um sie ausgerechnet vor italienischen Luftangriffen zu schützen, bevor sie 1939 an ihren Platz zurückkehrte.
Besuch des Passeig Arqueològic
Heute wird die Promenade vom Museu d'Història de Tarragona (MHT) als archäologisches Freilichtmuseum betrieben. Der Eingang liegt nahe der Avinguda de Catalunya und dem Portal del Roser am Nordrand der Altstadt. Es gelten die Öffnungszeiten der städtischen Museen, der Einlass ist über Einzeltickets oder Kombitickets für mehrere römische Stätten der Stadt möglich.
Sowohl topografisch als auch historisch ist der Weg der ideale Einstieg, um das römische Tarraco zu verstehen. Ganz oben auf der Part Alta gelegen, markiert die Promenade den Beginn einer Route, die sich über die Ruinen des Provinzforums hinab zum Circus zieht und schließlich am Amphitheater an der Küste endet.
FAQ
Welche historische Bedeutung hat der Minervaturm?
Der Minervaturm birgt das gemeißelte Relief der Göttin Minerva und die Weihinschrift eines oberitalienischen Legionärs. Beides gilt als älteste römische Skulptur beziehungsweise früheste lateinische Inschrift auf der Iberischen Halbinsel.
Welche Spuren belegen, dass Einheimische am Bau der römischen Mauern beteiligt waren?
Auf mehreren Steinquadern aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. finden sich Steinmetzzeichen in iberischer Sprache. Sie belegen, dass einheimische Arbeiter beim Bau der Wehranlagen der Römischen Republik mitgewirkt haben.
Wo befindet sich der Eingang zum Passeig Arqueològic?
Der Eingang liegt am Nordrand der historischen Part Alta von Tarragona, nahe der Avinguda de Catalunya und dem Portal del Roser.




