
Basler Münster: Geschichte, Architektur und Guide
Hoch oben auf dem Münsterhügel über dem Rhein schlägt das historische Herz der Basler Altstadt: das Basler Münster. Aus markantem rotem Vogesensandstein erbaut und gekrönt von bunt gemusterten, glasierten Ziegeln, prägt es wie kein zweites Bauwerk die Silhouette der Stadt.
Eine Mischung aus Romanik und Gotik
Das Basler Münster erzählt vom faszinierenden Übergang zwischen zwei architektonischen Epochen. Ursprünglich im Jahr 1019 unter Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde geweiht, beherbergt der Bau unter anderem die romanische Galluspforte aus dem späten 12. Jahrhundert. Große Teile der späteren Architektur spiegeln die Hoch- und Spätgotik wider, allen voran die beiden emporragenden Westtürme, der Georgs- und der Martinsturm.
Auch die direkte Umgebung unterstreicht die Erhabenheit des Münsters. Zur Anlage gehören zwei mittelalterliche Kreuzgänge und die Pfalz, eine erhöht gelegene Aussichtsterrasse direkt hinter dem Chor. Von hier aus eröffnet sich ein weiter Panoramablick auf das Rheinknie, die kleinen Rheinfähren und die fernen Hügel von Schwarzwald und Vogesen.
Das große Erdbeben von 1356
Am 18. Oktober 1356 veränderte das schwerste je dokumentierte Erdbeben nördlich der Alpen die Geschichte des Münsters für immer. Die Erschütterungen brachten die fünf ursprünglichen Türme, das Dach des Langhauses und Teile des Chors zum Einsturz.
Der Wiederaufbau zog sich über das 14. und 15. Jahrhundert hin. Baumeister wie Johannes von Gmünd und Ulrich von Ensingen errichteten dabei nur zwei der einstigen Türme neu. Die Spuren dieser Katastrophe sind bis heute sichtbar, etwa an Eisenklammern an der Nordseite, die rissiges Mauerwerk sichern, und an den deutlichen Baunähten der Rekonstruktion.
Die Reformation und Erasmus von Rotterdam
Während der Basler Reformation von 1529 wütete im katholischen Münster der Bildersturm. Zahlreiche Kunstwerke, Altäre und Statuen im Innenraum wurden entfernt oder zerstört. Aus der Bischofskirche wurde das reformierte Hauptgotteshaus der Stadt, und diesen Status hat das Münster bis heute.
Trotz dieses protestantischen Glaubenswechsels birgt das Münster das Grab und das Epitaph von Desiderius Erasmus von Rotterdam. Der berühmte Renaissance-Humanist verbrachte seine letzten Lebensjahre in Basel und starb hier 1536. Bemerkenswert daran ist: Erasmus konvertierte nie zum Protestantismus und blieb der katholischen Kirche treu. Seine Beisetzung in einem reformierten Münster gilt daher als eine faszinierende historische Ausnahme.
Steinerne Elefanten und Kuriositäten im Kreuzgang
Im Mauerwerk des Münsters verbergen sich einige verblüffende künstlerische Details. An den romanischen Außenfriesen im Osten finden sich Reliefs von Elefanten. Geschaffen wurden sie von mittelalterlichen Steinmetzen, die in ihrem Leben wohl noch nie ein lebendes Exemplar zu Gesicht bekommen hatten.
Gleich nebenan birgt der gotische Kreuzgang ungewöhnliche Schmiedearbeiten und Skulpturen. Statt rein religiöser Ikonografie zeigen manche dieser Reliefs ganz alltägliche Marktwaren des Mittelalters, von Kürbissen bis hin zu Wurzelgemüse.
Das Münster heute und sein Platz in der Stadt
Heute ist das Basler Münster nach wie vor ein lebendiger Ort des Glaubens und die Hauptkirche der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Neben regelmäßigen Gottesdiensten steht es täglich für Besucher offen.
Über das kirchliche Leben hinaus bilden das Münster und der Münsterplatz ein lebendiges Zentrum der Stadt. Hier finden Orgelkonzerte, Kulturveranstaltungen und die traditionsreiche Basler Herbstmesse statt. Als unverzichtbarer Höhepunkt jedes Altstadtrundgangs verbindet das Münster das Rheinufer mit Wahrzeichen wie dem Rathaus und dem Spalentor.
FAQ
Ist das Basler Münster katholisch oder protestantisch?
Das Basler Münster ist heute ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus. Ursprünglich wurde es 1019 als katholische Bischofskirche geweiht, wandelte sich jedoch während der Basler Reformation im Jahr 1529 in eine reformierte Kirche.
Warum hat das Basler Münster nur zwei Türme?
Das ursprüngliche Münster besaß fünf Türme, die jedoch beim verheerenden Erdbeben von 1356 zerstört wurden. Beim anschließenden Wiederaufbau im 14. und 15. Jahrhundert wurden nur zwei davon wiedererrichtet, der Georgs- und der Martinsturm.
Wer liegt im Basler Münster begraben?
Im Basler Münster liegt der niederländische Renaissance-Humanist und Theologe Desiderius Erasmus von Rotterdam begraben. Nach seinem Tod im Jahr 1536 erhielt er hier eine Grabstätte und ein Epitaph, obwohl er bis zuletzt der katholischen Kirche treu geblieben war.



