Market Hill: die Geschichte des Cambridge Market Square - Cambridge
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Market Hill: die Geschichte des Cambridge Market Square

Cambridge, United-kingdom

Das Herz des städtischen Lebens

Market Hill, gemeinhin einfach als Cambridge Market Square bekannt, ist seit jeher das geschäftige und bürgerliche Herz der Stadt. Im Westen von der Great St Mary’s Church flankiert, im Süden von der Guildhall aus den 1930er-Jahren, im Norden von Rose Crescent und Market Street sowie im Osten und Südosten von Petty Cury, bildet dieser Platz den zentralen Treffpunkt der Stadt. Historisch steht er für das bürgerliche Cambridge, die „Town“, die hier direkt auf das akademische Revier der Universität, die „Gown“, prallt. Ein traditionsreicher Dreh- und Angelpunkt, an dem städtischer Alltag und universitäre Obrigkeit immer wieder aufeinanderstießen.

Vom mittelalterlichen Gassengewirr zum offenen Platz

Auf dem Market Hill wird schon seit angelsächsischer Zeit gefeilscht. Im Mittelalter wuchs der Markt stetig, bis König Heinrich III. ihm im 13. Jahrhundert per königlicher Urkunde das offizielle Marktrecht verlieh. Ursprünglich glich der Platz allerdings einem verwinkelten, heillos überfüllten L. Fachwerkläden, Mietskasernen und Werkstätten klebten förmlich an der Ostwand der Great St Mary’s Church.

Das weitläufige Rechteck, das du heute siehst, ist keinem vorausschauenden mittelalterlichen Stadtplaner zu verdanken, sondern einer handfesten Katastrophe. In den frühen Morgenstunden des 16. September 1849 brach in einer Tuchhandlung ein Feuer aus, das acht Häuser, mehrere Werkstätten und Dutzende Marktstände in Schutt und Asche legte. Als die Bewohner in heller Panik Wasser am Brunnen holen wollten, stellten sie fest, dass der Schlüssel für die Zapfstelle des Hobson’s Conduit unauffindbar verlegt worden war. Den Einheimischen blieb nichts anderes übrig, als eine Eimerkette zu bilden, die bis zum River Cam hinter der King’s College Chapel reichte. Die Zerstörung nutzte der Stadtrat als Chance, gründlich aufzuräumen: Bis Mitte der 1850er-Jahre entstand das heutige rechteckige Areal, standesgemäß gepflastert mit viktorianischen Granitsteinen.

Schauplatz von Aufruhr und Reformation

Lange vor seiner viktorianischen Neugestaltung war Market Hill die Bühne für handfeste Aufstände. Während des englischen Bauernaufstands von 1381 zog ein wütender Mob, angeführt ausgerechnet vom Bürgermeister von Cambridge höchstselbst, auf den Platz, um Privilegienurkunden der Universität und verhasste Steuerregister öffentlich zu verbrennen.

Gut ein Jahrhundert später, im Jahr 1557, bot der Platz während der Gegenreformation unter Königin Maria I. die Kulisse für ein makabres Schauspiel: Man buddelte die Leichen der protestantischen Reformatoren Martin Bucer und Paul Fagius wieder aus, karrte sie in ihren Särgen auf den Market Hill, kettete sie an Pfähle und verbrannte sie samt ihren Schriften. Auch die Straßen rundherum bergen kuriose Geschichten: Der benachbarte Peas Hill hat rein gar nichts mit Erbsen zu tun. Sein Name leitet sich vom lateinischen Wort für Fisch ab (pisces), denn genau hier boten im Mittelalter die Fischhändler ihren Fang feil.

Ein Marktplatz voller Leben

Heute pulsiert auf dem Market Hill an sieben Tagen der Woche das Leben unter freiem Himmel. Unter Reihen gestreifter Segeltuchdächer bieten rund 200 Händler ihre Waren an: frisches Obst und Gemüse von Höfen aus der Region, internationales Streetfood, Antiquariate, Vintage-Mode und Kunsthandwerk. In der Luft liegt eine aromatische Melange aus brutzelndem Streetfood, frisch gebrühtem Kaffee und Schnittblumen, untermalt vom Klappern der Marktstände und dem vertrauten Viertelstundenschlag der Glocken von Great St Mary’s, der über das unebene Pflaster hallt.

Auch die Brunnen des Platzes blicken auf einen steten Wandel zurück. Ab 1614 leitete ein Abzweig des Hobson’s Conduit frisches Wasser in einen Brunnen im Zentrum des Platzes. Dieses Bauwerk zog 1856 an die Trumpington Road um. An seiner Stelle errichtete G. M. Hills 1855 einen neugotischen Brunnen, der 1953 allerdings wieder teilweise abgebaut wurde. Für die Zukunft hat der Stadtrat von Cambridge bereits Pläne geschmiedet: Ab Herbst 2026 soll das historische Granitpflaster neu verlegt werden, um Barrierefreiheit zu schaffen, begleitet von einer flexiblen Mischung aus festen und vollkommen mobilen Ständen.

FAQ

Warum ist der Market Hill rechteckig?

Ursprünglich war der mittelalterliche Marktplatz ein beengtes, L-förmiges Areal. Erst nach einem Großbrand im Jahr 1849, der zahlreiche Häuser und Marktstände vernichtete, nutzte der Stadtrat die Gelegenheit, das Gelände zu räumen und in seiner heutigen rechteckigen Form anzulegen.

Welche Geschichte steckt hinter dem Brunnen auf dem Cambridge Market Square?

Ab 1614 versorgte der Hobson’s Conduit einen Brunnen in der Platzmitte mit frischem Wasser. Nach dem Brand von 1849 wurde das Bauwerk an die Trumpington Road verlegt und 1855 durch einen neugotischen Brunnen ersetzt, den man 1953 teilweise wieder abtrug.

Welche Stände findet man heute auf dem Market Hill?

Der Markt hat an sieben Tagen der Woche geöffnet. Rund 200 Händler verkaufen hier die unterschiedlichsten Waren, darunter regionale Hofprodukte, internationales Streetfood, Handwerkskunst, Bücher und Vintage-Kleidung.

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