
The Diamond: Derrys historischer Platz in der ummauerten Stadt
Das Zentrum des Renaissance-Rasters
The Diamond ist der historische Hauptplatz von Derry/Londonderry im nordirischen County Londonderry. Angelegt zwischen 1613 und 1619 während der Plantation of Ulster, war Derry die erste planmäßig erbaute Stadt Irlands, finanziert von den Londoner Kaufmannsgilden unter dem Dach der Honourable The Irish Society.
Als Knotenpunkt eines klassischen Renaissance-Schachbrettmusters bildet der Platz den Ausgangspunkt für vier Hauptstraßen. Sie führen geradewegs zu den vier ursprünglichen Toren der Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert: Die Bishop Street führt zum Bishop's Gate, die Ferryquay Street zum Ferryquay Gate, die Butcher Street zum Butcher's Gate und die Shipquay Street zum Shipquay Gate. Trotz der geometrischen Verheißung im Namen ist The Diamond übrigens keineswegs rautenförmig. In den Siedlungen der Ulster Plantation bezeichnete das Wort historisch schlicht einen quadratischen oder rechteckigen Marktplatz. Der Grundriss von Derry wurde zum einflussreichen Vorbild für die frühe Kolonialarchitektur jenseits des Atlantiks, allen voran für William Penns Entwurf von Philadelphia.
Von der erhöhten Hügellage des Platzes aus fallen die Sichtachsen steil durch die umliegenden Straßen ab, besonders spektakulär entlang der Shipquay Street hinunter zum Turm der Guildhall und zum River Foyle. Auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten innerhalb der Mauern, darunter die St. Columb's Cathedral, liegen nur wenige Schritte entfernt.
Städtischer Wandel und verschwundene Rathäuser
Fast drei Jahrhunderte lang war The Diamond der Sitz der städtischen Verwaltung. 1622 entstand mitten auf dem Platz das erste Rathaus und Markthaus der Stadt. Dieses ursprüngliche Verwaltungsgebäude wurde 1689 während der 105 Tage dauernden Belagerung von Derry zerstört. Nach dem Wiederaufbau 1692 trug der Platz eine Zeit lang den Namen King William's Square.
1825 wurde ein drittes Rathaus errichtet, das bis zu seinem Abriss im Jahr 1910 das Bild bestimmte. Danach zog die Verwaltung vor die Mauern in die viktorianische Guildhall am Shipquay Place. Die frei gewordene Fläche auf dem Diamond nutzte man zunächst als Ziergarten, bevor dort ein dauerhaftes Denkmal seinen Platz fand.
Das Diamond War Memorial
1925 sicherte sich der City War Memorial Fund die Genehmigung für ein Kenotaph im Zentrum des Platzes. Geschaffen aus Portland-Kalkstein und Bronze von Vernon March nach Entwürfen von Vernon und Sydney March, wurde das Diamond War Memorial am 23. Juni 1927 feierlich enthüllt. Den Sockel flankieren zwei Bronzefiguren, ein Infanteriesoldat für das Heer und ein Matrose für die Marine, überragt von einer geflügelten Siegesgöttin. Kleinere Modelle des Denkmals, ebenfalls von Vernon March geschaffen, sind ganz in der Nähe in der St. Columb's Cathedral zu sehen.
Vier Bronzetafeln erinnern an 756 Bürger, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. Später wurde das Denkmal auch den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet, allerdings ohne weitere Namen hinzuzufügen. Historische Forschungen des Diamond War Memorial Project haben gezeigt, dass die 756 Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu fast gleichen Teilen aus katholischen wie protestantischen, nationalistischen wie unionistischen Familien stammten. Unter allen verzeichneten Namen findet sich übrigens nur eine einzige Frau.
Architektur und heutiges Leben
Bis heute ist The Diamond der pulsierende Knotenpunkt der ummauerten Stadt: Fußgängerzone, Treffpunkt und Schnittstelle zwischen Banken, Einkaufsstraßen, Cafés und traditionellen Pubs. Außerdem dient der Platz als Bühne für offizielle Anlässe, historische Rundgänge und saisonale Festivals.
Architektonisch wird der Platz vom ehemaligen Kaufhaus Austin's überragt. Das 1906 bis 1907 im edwardianischen Free-Style errichtete Geschäftsgebäude fällt sofort durch seinen markanten achteckigen Eckturm ins Auge. Das Kaufhaus selbst wurde bereits 1830 gegründet und rühmte sich damit, das älteste unabhängige Kaufhaus der Welt zu sein.
FAQ
Warum heißt der Platz The Diamond, wenn er doch viereckig ist?
In den Siedlungen aus der Zeit der Ulster Plantation bezeichnete der Begriff „Diamond“ historisch einen quadratischen oder rechteckigen Marktplatz, keine Raute.
Wer hat das Diamond War Memorial geschaffen?
Das Denkmal wurde von den Geschwistern Sydney und Vernon March entworfen. Vernon March schuf die Skulpturen aus Portland-Kalkstein und Bronze, die im Juni 1927 enthüllt wurden.
Was stand auf dem Diamond, bevor das Kriegerdenkmal errichtet wurde?
Ab 1622 standen hier nacheinander drei verschiedene Rathäuser. Nach dem Abriss des dritten Rathauses im Jahr 1910 diente die Fläche kurzzeitig als Ziergarten, bevor das Kenotaph errichtet wurde.
Wie beeinflusste The Diamond die Stadtplanung in Übersee?
Das in Derry entwickelte Renaissance-Schachbrettmuster, bei dem ein zentraler Platz mit vier Toren in der Stadtmauer verbunden ist, diente als einflussreiches Vorbild für koloniale Stadtanlagen, darunter auch William Penns Entwurf für Philadelphia.




