Grossmünster: Zürichs historische Basilika mit den Doppeltürmen - Zurich
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Grossmünster: Zürichs historische Basilika mit den Doppeltürmen

Zurich, Switzerland

Ursprünge und die Legende um Karl den Großen

Das Grossmünster thront am östlichen Ufer der Limmat am Zwingliplatz und bildet seit jeher den markanten Mittelpunkt der Zürcher Altstadt. Die lokale Überlieferung führt die Gründung der Kirche auf keinen Geringeren als Kaiser Karl den Großen zurück. Der Sage nach sank Karls Pferd genau über den Gräbern der Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius auf die Knie, woraufhin der Kaiser an Ort und Stelle ein Stift errichten ließ. Archäologische Grabungen unter der Kirche bestätigen: Hier befand sich damals tatsächlich eine echte römische Begräbnisstätte.

Die romanische Kernbasilika entstand zwischen etwa 1090/1100 und 1220/1230 über früheren karolingischen Fundamenten. Als Chorherrenstift weltlicher Kanoniker spielte das Grossmünster im Mittelalter eine dominierende weltliche wie geistliche Rolle, immer wieder verstrickt in handfeste Macht- und Zuständigkeitsstreitigkeiten mit der Fraumünsterabtei vis-à-vis auf der anderen Flussseite.

Die Wiege der Schweizer Reformation

1519 wendete sich das Blatt der Geschichte für das Grossmünster schlagartig, als Huldrych Zwingli zum Leutpriester berufen wurde. Von der Kanzel des Grossmünsters aus verkündete Zwingli die theologischen Thesen, die zur Initialzündung der Schweizer Reformation werden sollten. 1523 und 1524 überzeugte er den Zürcher Rat, sich endgültig von der Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche loszusagen.

Im Einklang mit den reformierten Grundsätzen folgte 1524 ein radikaler Bildersturm. Das Kircheninnere wurde systematisch von jeglichem Zierrat befreit: Altarbilder, religiöse Skulpturen und Orgeln verschwanden, das Grabmal der Stadtheiligen wurde abgetragen und die verzierten Wände schlicht weiß übertüncht. Es entstand ein karger, asketischer Raum, ganz und gar auf das gesprochene Wort fokussiert. Nach Zwinglis Tod führte der Reformator Heinrich Bullinger diese Linie fort und verankerte Zürichs reformierte Kirchenordnung dauerhaft.

Romanische Architektur und Kunstwerke im Inneren

Von außen ist das Grossmünster an seinen markanten Zwillingstürmen sofort zu erkennen, die zwischen 1487 und 1492 hochgezogen wurden. Nachdem ein Brand 1763 die ursprünglichen Holzspitzen zerstört hatte, erhielten die Türme in den 1780er-Jahren neugotische Hauben nach Entwürfen von Johann Caspar Vögeli und Johannes Haggenmiller. Zusammen mit dem Fraumünster, St. Peter und der Predigerkirche prägt die Basilika bis heute die Silhouette der Zürcher Altstadt.

Im Inneren treffen helle Sandsteinmauern und weiß getünchte Flächen auf bemerkenswerte Kunstakzente aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Drei Chorfenster von Augusto Giacometti aus den Jahren 1932 und 1933 erzählen die Weihnachtsgeschichte in leuchtender Glasmalkunst. 2009 schuf der deutsche Künstler Sigmar Polke für das westliche Langhaus eine Serie von Fenstern aus hauchdünnen, lichtdurchlässigen Scheiben echten brasilianischen Achats. Diese mosaikartigen Tafeln tauchen das steinerne Kirchenschiff in warme Bernstein- und Quarztöne. Die Außenportale werden von bronzenen Relieftüren gerahmt, die Bildhauer Otto Münch 1935 und 1950 gestaltete.

Unter dem Chor verbirgt sich die romanische Krypta mit erhaltenen Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die das Martyrium und die Legenden um Felix und Regula abbilden. In der Krypta steht auch das Sandsteinoriginal des sitzenden Karls des Großen aus dem 15. Jahrhundert; die verwitterte Figur außen am Südturm ist lediglich eine Kopie aus dem 20. Jahrhundert.

Hinauf auf den Karlsturm

Der Südturm des Grossmünsters, der sogenannte Karlsturm, führt dich zu einer Aussichtsplattform in rund 50 Metern Höhe. Um die Aussicht zu genießen, musst du allerdings 187 Stufen über eine enge Wendeltreppe bewältigen.

Im Treppenhaus wartet ein überraschender moderner Bruch: Ein „Totentanz“-Wandbild, das Harald Naegeli, der als „Sprayer von Zürich“ bekannte Schweizer Graffitikünstler, direkt auf das historische Mauerwerk gemalt hat. Oben angekommen öffnet sich ein herrlicher Panoramablick über die Limmat, das Dächermeer der Altstadt und den Zürichsee.

Heutige Nutzung und Besuchshinweise

Das Grossmünster dient bis heute als aktive Pfarrkirche der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Hier finden regelmäßig Sonntagsgottesdienste, Konzerte und städtische Zeremonien statt. Der Eintritt in das Kirchenschiff ist tagsüber kostenlos, der Turmaufstieg ist separat zugänglich.

Um die empfindlichen mittelalterlichen Fresken in der romanischen Krypta vor schwankender Luftfeuchtigkeit zu schützen, bleibt der Raum im Untergrund an Regentagen zeitweise geschlossen. Von 2025 bis 2029 stehen umfassende etappenweise Restaurierungsarbeiten an. Sowohl das Kirchenschiff als auch der Aufstieg auf den Karlsturm bleiben jedoch während des gesamten Projekts zugänglich.

FAQ

Warum bestehen die Fenster im Kirchenschiff des Grossmünsters aus Achat?

2009 gestaltete der Künstler Sigmar Polke sieben Fenster des Kirchenschiffs nicht aus klassischem Buntglas, sondern aus hauchdünn geschliffenem brasilianischen Achat. So bricht sich das Tageslicht in den Mineralschichten und taucht das Schiff in leuchtende Bernstein- und Quarztöne.

Welche historische Rolle spielte das Grossmünster in der Reformation?

Das Grossmünster war die Geburtsstätte der Schweizer Reformation. 1519 begann Huldrych Zwingli hier zu predigen, was zum Bruch der Stadt mit der katholischen Kirche und 1524 zur Entfernung sämtlichen Kirchenschmucks, der Orgeln und der Heiligenschreine führte.

Ist die Statue von Karl dem Großen an der Außenseite des Grossmünsters ein Original?

Nein, die sitzende Figur von Karl dem Großen an der Außenmauer des Karlsturms ist eine Nachbildung aus dem 20. Jahrhundert. Das echte Sandsteinoriginal aus dem 15. Jahrhundert befindet sich geschützt in der romanischen Krypta der Kirche.

Kann man die Türme des Grossmünsters besteigen?

Besucher können den Südturm, den Karlsturm, über eine 187 Stufen lange Wendeltreppe besteigen und erreichen so eine offene Aussichtsplattform rund 50 Meter über der Stadt.

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