Zürich Hauptbahnhof: Geschichte und Architektur - Zurich
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Zürich Hauptbahnhof: Geschichte und Architektur

Zurich, Switzerland

Das Herz des Schweizer Schienennetzes

Der von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betriebene Zürcher Hauptbahnhof ist der größte Bahnhof des Landes. Direkt am Bahnhofplatz zwischen Limmat und Sihl gelegen, bewältigt der Komplex täglich rund 2.900 Zugbewegungen und mehr als 400.000 Reisende. Seine Infrastruktur umfasst 26 Gleise auf ober- und unterirdischen Ebenen, ganz ohne Bahnsteigsperren frei zugänglich. Der Knotenpunkt bündelt nationale Intercity-Linien, das regionale S-Bahn-Netz und internationale Hochgeschwindigkeitszüge wie EuroCity, TGV und ICE. Über alle vier Ebenen hinweg folgt das Gewusel dem Schweizer Taktfahrplan, mit spürbaren Höhepunkten zu den abgestimmten Knotenminuten kurz vor der vollen und halben Stunde.

Die Spanisch-Brötli-Bahn und die Expansion im 19. Jahrhundert

Im August 1847 ging die Station als Endhaltepunkt der ersten rein schweizerischen Bahnlinie ans Netz: der Schweizerischen Nordbahn auf ihrer 23 Kilometer langen Strecke zwischen Zürich und Baden. Ihren Spitznamen hatte die Verbindung schnell weg: Spanisch-Brötli-Bahn, getauft nach dem blättrigen Haselnuss-Aprikosen-Gebäck aus Baden. Vor der Eröffnung marschierten Dienstboten noch die ganze Nacht zu Fuß nach Zürich, um die Delikatesse frisch an wohlhabende Haushalte zu liefern. Mit dem Zug schrumpfte diese Lieferzeit auf schlanke 45 Minuten. Der rasant wachsende Schienenverkehr sprengte den ursprünglichen Holzschuppen im Nu, sodass bald Pläne für ein repräsentatives städtisches Wahrzeichen her mussten.

Neorenaissance und städtebaulicher Wandel

1871 vollendete der Architekt Jakob Friedrich Wanner den heutigen Kopfbau im Stil der Neorenaissance. Der monumentale Sandsteinbau empfängt Reisende mit einem gewaltigen Triumphbogenportal, das nach Süden zum Bahnhofplatz weist. Der Bau des Bahnhofs krempelte Zürichs Stadtbild von Grund auf um: Um die Bahn direkt an den Zürichsee und das Finanzviertel anzubinden, schüttete man kurzerhand den westlichen mittelalterlichen Wehrgraben zu, den Fröschengraben. So war der Weg frei für die Bahnhofstrasse. Heute bildet der Bahnhof den nördlichen Auftakt für die historische Stadtroute, die vorbei an Lindenhof, Augustinergasse, St. Peter, Zeughauskeller und Fraumünster über die Münsterbrücke hinüber zu Grossmünster, Hirschenplatz und Predigerkirche führt.

Das Alfred-Escher-Denkmal und das unterirdische ShopVille

Auf dem Bahnhofplatz erinnert seit 1889 ein bronzener Denkmalbrunnen des Bildhauers Richard Kissling an Alfred Escher. Als einflussreicher Staatsmann und Eisenbahnpionier hob Escher die Credit Suisse sowie die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) mit aus der Taufe und trieb den Bau der Gotthardbahn voran. Das Denkmal überrascht mit einer ausgefeilten Hydraulik: Wasser aus dem oberen Brunnenbecken fließt nach unten in das Untergeschoss und speist dort einen zweiten Zierbrunnen im ShopVille. Im ShopVille selbst bieten mehr als 200 Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Dienstleister an sieben Tagen der Woche volles Programm und verbinden die Gleise auf kurzem Fußweg mit den Trams der Stadt.

Die Haupthalle und der Schutzengel

Die historische Haupthalle des Bahnhofs ist als öffentlicher Raum erhalten geblieben, in dem Kunstausstellungen, saisonale Handwerksmärkte und der alljährliche überdachte Christkindlimarkt stattfinden. Hoch unter der Hallendecke schwebt L’Ange Protecteur (Der Schutzengel), eine elf Meter hohe und 1,2 Tonnen schwere Skulptur der französisch-amerikanischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Gestiftet von Securitas im Jahr 1997 zum 150-jährigen Jubiläum der Schweizer Bahnen, reiste die farbenprächtige Figur per Frachter aus den USA nach Rotterdam, schipperte über den Rhein nach Basel und erreichte Zürich schließlich über den Landweg zur Endmontage. Da das Kunstwerk mit wasserlöslichen Farbpigmenten bemalt wurde, rückt das Reinigungsteam der Bahn ihm ausschließlich mit Druckluft und Staubwedeln zu Leibe.

FAQ

Warum hieß die erste Zürcher Bahnlinie eigentlich Spanisch-Brötli-Bahn?

Die 1847 eröffnete Bahnstrecke zwischen Zürich und Baden verdankte ihren Spitznamen einem feinen Haselnuss-Aprikosen-Gebäck aus Baden. Dienstboten, die die Leckereien zuvor über Nacht zu Fuß nach Zürich schleppen mussten, um sie frisch an wohlhabende Haushalte zu liefern, konnten sie per Bahn plötzlich in rund 45 Minuten in Empfang nehmen.

Wem ist das Denkmal vor dem Zürcher Hauptbahnhof gewidmet?

Der bronzene Denkmalbrunnen von 1889 auf dem Bahnhofplatz ehrt Alfred Escher, eine Schlüsselfigur aus Politik und Wirtschaft. Er war Mitbegründer der Credit Suisse sowie der ETH Zürich und trieb den Bau der Gotthardbahn voran.

Wie wird die Schutzengel-Skulptur von Niki de Saint Phalle gereinigt?

Weil die 1,2 Tonnen schwere Skulptur mit wasserlöslichen Farbpigmenten bemalt wurde, verzichten Reinigungsteams auf flüssige Putzmittel und entstauben das Kunstwerk ausschließlich mit Druckluft und Staubwedeln.

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