
Kirche St. Peter: Europas größtes Zifferblatt
Rekorduhr und Glockenstuhl
Die Kirche St. Peter in Zürich beherbergt das größte Turmzifferblatt ganz Europas. Am 64 Meter hohen mittelalterlichen Turm messen die vier Zifferblätter jeweils zwischen 8,64 und 8,7 Meter im Außendurchmesser. Der Stundenzeiger bringt es auf 5,07 Meter, der Minutenzeiger sogar auf stolze 5,73 Meter. Über Jahrhunderte gab diese Turmuhr den verbindlichen Takt für Zürich vor: Per Stadtverordnung waren alle anderen öffentlichen Uhren gesetzlich verpflichtet, sich exakt nach ihr zu richten.
Im Glockenstuhl direkt unter der Turmspitze hängen fünf Glocken aus dem Jahr 1880. Das Schwergewicht unter diesen Bronzekolossen wiegt ohne Klöppel mehr als 6.000 Kilogramm. 1996 wurde der 24 Meter hohe Turmhelm aufwendig restauriert und mit 42.000 handgespaltenen Lärchenschindeln aus dem Engadin neu eingedeckt. Damit besitzt St. Peter das einzige Holzschindeldach in der gesamten Zürcher Innenstadt.
Geteilte Herrschaft: zwischen Stadt und Kirche
Eine echte Zürcher Besonderheit ist die kuriose Eigentumsstruktur von St. Peter: Während Kirchenschiff, Glockenstuhl und Innenraum der evangelisch-reformierten Gemeinde gehören, ist der Turm selbst städtisches Eigentum.
Weil der Turm der Stadt gehörte, diente er von 1340 bis 1911 als Zürichs wichtigste Brandwache. Rund um die Uhr hielten Feuerwächter von oben Ausschau nach Bränden in den Holz- und Steinvierteln, um bei Gefahr unverzüglich Alarm zu schlagen.
Architektonischer Wandel und bürgerliches Erbe
Am Platz St. Peterhofstatt auf der linken Limmatseite steht die älteste Pfarrkirche der Zürcher Bürgerschaft. Archäologische Funde belegen hier bereits für das 8. oder 9. Jahrhundert ein frühchristliches Gotteshaus, und noch heute liegen vorromanische Grundmauern unter dem Chor. Es folgten Neubauten um das Jahr 1000, um 1230 im spätromanischen Stil und 1460 mit einem gotischen Langhaus.
Anders als die benachbarten Grossmünster und Fraumünster, die als Stifte und Klöster fungierten, war St. Peter vor der Reformation die einzige Pfarrkirche für die einfachen Bürger der Stadt. 1345 erwarb Rudolf Brun, Zürichs erster unabhängiger Zunft-Bürgermeister, das Gotteshaus, 1360 fand er hier auch seine letzte Ruhe. Während der Reformation wirkte Leo Jud von 1523 bis 1542 als Pfarrer an St. Peter und schuf gemeinsam mit Huldrych Zwingli die Zürcher Bibel. Später predigte hier von 1778 bis 1801 der Theologe und Schriftsteller Johann Kaspar Lavater, dessen Grabplatte bis heute in der Außenmauer eingelassen ist.
1706 wurde das mittelalterliche Langhaus abgerissen und als dreischiffige barocke Saalkirche neu erbaut, der allererste protestantische Kirchenneubau in Zürich nach der Reformation.
Heutige Nutzung und Besuch
Bis heute versammelt sich in St. Peter eine aktive Gemeinde der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich zu regelmäßigen Sonntagsgottesdiensten. Zusammen mit Grossmünster, Fraumünster und Predigerkirche prägt der Turm als eine der vier markanten Landmarken die Silhouette der Altstadt.
Die Kirche ist täglich bei freiem Eintritt für Besucher geöffnet. Neben ihrer geistlichen Funktion bietet der historische Kirchenraum regelmäßig eine stimmungsvolle Bühne für Konzerte klassischer und sakraler Musik.
FAQ
Wie groß ist das Zifferblatt der Kirche St. Peter?
Die vier Zifferblätter am Turm messen jeweils zwischen 8,64 und 8,7 Meter im Durchmesser. Damit sind sie die größten Kirchturmuhr-Zifferblätter in ganz Europa.
Warum gehört der Turm der Kirche St. Peter der Stadt Zürich?
Der Turm ist städtisches Eigentum, weil er von 1340 bis 1911 als offizielle Zürcher Brandwache diente. Das Kirchenschiff, das Innere und der Glockenstuhl hingegen gehören der evangelisch-reformierten Gemeinde.
Kann man die Kirche St. Peter besichtigen?
Ja, die Kirche St. Peter ist täglich bei freiem Eintritt öffentlich zugänglich. Sie dient sowohl als lebendiger Gottesdienstraum als auch als Konzertort.




